© 2019 LAB LAND - Landschaftsarchitektur Robert Heinze

Wettbewerbe

1. Platz - 2019
Stadtspielplatz Lugau

Ideen gebend für die Gestaltung des Spielplatzes ist die erdgeschichtliche Periode des Karbon, die mit Lugau, einer ehemaligen Steinkohleabbauregion, geschichtlich verbunden ist.

Es finden sich Amphibien, Rieseninsekten, Schachtelhalm und erste baumähnliche Pflanzen als fantasievoll umgesetzte Spielelemente wieder.

Der Spielplatz erstreckt sich über mehrere Spielinseln, die im lang gezogenen Bearbeitungsgebiet verteilt sind.

Im Zentrum des Spielplatzes erhebt sich der Kohlewaldwipfelpfad mit Klettertürmen, die über Brücken, Leitern Hangelseile und Netze zu erklimmen sind. Von oben reicht der Ausblick  in die Kronen der benachbarten Bäume und über den Stadtpark. Herunter gelangt man rasant über eine geschwungene Röhrenrutsche. Wer am höchsten hinaus kommt kann an einer Doppelschaukel unter Beweis gestellt werden. Von drei Bänken aus können die Begleiter der Kinder dem bunten Treiben zuschauen.

Benachbart zum Kohlewaldwipfelpfad ist die Riesenlibelle Meganeura gelandet. Auf der Spielskulptur aus Holz mit ihren kletternetzbespannten, geschwungen auf dem Boden ruhenden Flügel kann man herumklettern oder auf ihrem Schwanz, der als Federwippe gestaltet ist, wild herumreiten. Weiter in Richtung Hohensteiner Straße gelangt man auf die Schachtelhalmwiese, einem Balancierparcours, dessen Stationen sich zwischen als Schachtelhalm gestalteten Pfosten aufspannen. Auf Tauen, Seilen, Traversen, einem drehbaren Balken und einem wackeligen Holzsteg muss man mit oder ohne Halteseil seinen Gleichgewichtssinn unter Beweis stellen.

Das Platzangebot und die modulare Gestaltung ermöglichen es die Spielmöglichkeiten zu einem späteren Zeitpunkt noch zu erweitern.

 

Teilnahme
Gärten in der Stadt 2017 - Stadtpark Lugau

Mit dem 2014 fertiggestellten Projekt der Stadtparks Lugau  dokumentierte die Kommune ihre Leistungsfähigkeit und ihren Einsatz zur Entwicklung einer lebenswerten Stadt.

Die etwa 20.000 m² große Bahnbrache des ehemaligen Güterbahnhofs von Lugau liegt in unmittelbarer Nähe des westlich angrenzenden Stadtzentrums. Vor der Umgestaltung war das Areal zu großen Teilen durch  Betonflächen, verfallene Kleingebäude, Laderampen und sonstige technische Anlagen geprägt. Die typische  Brachenvegetation mit Birken, Weiden, Brombeeren, Gras- und Wildstaudenaufwuchs breitete sich aus. Trotz des verwilderten und verfallenen baulichen Zustands und dem damit verbundenen Gefahrenpotenzial wurde die  Fläche zum wilden Parken und fußläufigen Durchqueren genutzt.

Mit ihrer zentralen aber dennoch ruhigen Lage wurde die ca. 11.000 m² große  Projektfläche als erster Teil des Gesamtareals zu einem Erholungsraum für die Einwohner mit Spiel- und Sportangeboten im Herzen der Stadt Lugau. Eine flächige Erweiterung um das Bahnhofsgebäude und entlang der erhalten gebliebenen Gleisstrecke bis hin zum Kulturhof Lugau im Nordosten des Parks sind bereits umgesetzt oder in Planung.

An einem Abschnitt des geplanten überregionalen Radwegs „Chemnitz-Zwickau“ gelegen, verbindet der Stadtpark in attraktiver Weise das westlich gelegene Zentrum der Stadt mit den südlichen und nördlichen Stadtteilen. Der Radweg ist als buntes Band mit farbigem Asphalt gestaltet. Weitere in Anlehnung an die ehemalige geradlinige Bahnstruktur geführte Asphaltwege ergänzen die Erschließung.

Die Parkteile sind verschiedenen Nutzungen gewidmet. Es gibt eine Spielfläche mit Trampolin und Sitzelementen in Form von Blättern. Eine mit Pflasterklinkern befestigte Platzfläche bietet Raum für  eine Schwebebandkombination zum Balancieren und einen Fitnessparcours mit Trainingsgeräten für Jung und Alt. Im zentralen Parkbereich befindet sich die sonnige Stadt- und Spielwiese. Der nördlich gelegene Stadthain mit seinem lichten Blätterdach aus Birken, Ginkgo und Gleditschien erzeugt einen wirkungsvollen Erlebnisraum. Ein gemauerter Grillplatz mit zwei Grillstellen und großen Tisch-Bank-Kombinationen bietet die Möglichkeit die Atmosphäre des Parks in geselliger Runde zu genießen.

Die räumliche Struktur des Stadtparks wird durch wegbegleitende Baumreihen und lichte Haine bestimmt. Üppige Strauchpflanzungen mit Blühsträuchern und Bodendeckerrosen bieten über alle Jahreszeiten hinweg abwechslungsreiche Eindrücke.

Seit 2014 wurden bereits weitere Bauabschnitte des Stadtparks realisiert und weitere befinden sich momentan in Planung.

 

Anerkennung
Moritz-Ziller-Preis für Stadtgestaltung 2010/2011

KONZEPT
Neu geschaffene Wegebeziehungen verknüpfen den Freiraum mit den nördlich und südlich angrenzenden Stadtquartieren und rücken den neuen Park auf der ehemaligen Brachfläche in das Wahrnehmungsfeld der Einwohner. Spuren der industriellen Vergangenheit und Gegenwart bleiben sichtbar und werden durch ein großes „Blickfenster“ zu den Anlagen der Schmalspurbahn und dem sächsischen Schmalspurbahnmuseum erlebbar. Es geht dabei aber nicht darum, einen musealen Freiraum zu schaffen. Das Konzept integriert und nutzt die vorhandenen charakteristischen Elemente des Bahnbetriebs als Gestaltungs- und Anziehungspunkte. Prägende Strukturen, die andernorts verschwinden, bleiben erhalten. Die vorhandene Brachenvegetation aus Stauden und Gehölzen wird aufgegriffen und ist motivgebend für die Bepflanzung. Eine durchgängige Grünverbindung vom Zentrum Radebeul-Ost zu den bedeutenden Grünräumen der Elbaue und der „Jungen Heide“ über dieses Areal und einer grünen „Leitersprosse“ entlang der Autobahn 4 wird langfristig angestrebt.

NEUER ZUGANG ZUM SCHMALSPURBAHNMUSEUM
Der neue, dem Bahnhofsvorplatz zugewandte, Eingangsbereich zum sächsischen Schmalspurbahnmuseum rückt Dieses ins Aufmerksamkeitsfeld der Besucher und Nutzer des Kulturbahnhofs. Eine große Stahltafel am Eingang weist auf das Museum hin und gibt Informationen wie Öffnungszeiten und einen historischen Abriss der Entwicklung der Schmalspurbahn. Auf zwei Hochbeeten mit integrierten Sitzelementen werden Stauden der Brachflächen präsentiert. Ein Vorplatz am geplanten Depot lässt einen Blick ins Innere auf die Loks und Züge der Schmalspurbahn zu. Somit bietet der Eingangsbereich auch an Schließtagen des Museums einen attraktiven Anlaufspunkt.
Das Gebäude „Am alten Güterboden 2“ erhält durch die Gestaltung des momentan verbauten Bereichs mehr Freiraum, der die künftig angestrebte gastronomische Nutzung unterstützt.

DIE LADESTRASSE
Als nötiges Erschließungselement wird die Ladestraße saniert. Um eine barrierefreie Nutzung für Fußgänger und Radfahrer zu gewährleisten, wird sie durch einen ebenen Asphaltstreifen ergänzt.
An ihr reihen sich alle interessanten Orte des Schmalspurbahnbetriebes auf. Informationstafeln integrieren Diese in die Gestaltung. Am östlichen Ende entsteht eine Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zur Forststraße. Weiterführend über die östliche Erweiterungsfläche und eine „grüne Leitersprosse“ entlang der Autobahn 4 kann perspektivisch eine durchgängige Anbindung zur Elbaue im Süden und der „Jungen Heide“ im Norden der Stadt erfolgen.

DER SIGNALGARTEN
Der zentrale Teil des Parks ist durch seine Entwicklung von einer Nutz- zu einer Brachfläche gekennzeichnet. Die neue Erschließung schafft eine Anbindung der angrenzenden Quartiere und des Bahnhofsvorplatzes. Blickverbindungen verstärken diese Verknüpfung. Asphaltwege führen zu den interessanten Orten und „Trampelpfade“ erschließen die Fläche mit ihrem erhaltenen Brachecharakter und den Schotterfeldern großflächig. Die räumlichen Qualitäten der ehemaligen Rangierfläche mit ihrer starken Linearität werden mit denen aus der Brachlegung entstandenen Strukturen, wie Boden und vor allem Vegetation, kombiniert. Dichte Gehölzreihen aus Pioniergehölzen erinnern an abgestellte Waggons, gliedern den charakteristischen Raum und bieten Aufenthaltsqualität. Artenreiche Pionierstaudenpflanzungen mit abwechslungsreichen jahreszeitlichen Aspekten ergänzen diese Struktur und erobern die Fläche allmälig. Die integrierten Bahnsignale sind nicht nur Ausstellungsstücke, sie lassen sich von den Besuchern bedienen und verleihen dem Ort einen besonderen Erlebnischarakter.

DIE SÜDLICHE ERWEITERUNGSFLÄCHE
Die Fläche südlich der Bahnlinie, parallel zur Gartenstraße, greift das Motiv der Pioniervegetation auf, was die Zusammengehörigkeit der Teilflächen unterstreicht. Die Gestaltung schafft einen gewissen Sichtschutz zu den angrenzenden Gewerbe- und Industriebauten entlang der Gartenstraße. Direkte Blickbeziehungen lassen nördlichen und südlichen Teil noch dichter zusammenrücken. Eine Wegeverbindung von der Haupt- zur Forstraße ermöglicht den Zugang zu den Bahnsteigen über den geplanten Tunnel.

STRASSENRAUM SIDONIENSTRASSE
Die Sidonienstraße erhält durch die klar gegliederte Gestaltung eine neue Qualität. Die Beseitigung der wuchernden Vegetation auf der Seite des Bahnareals, der Erhalt weniger großer Gehölzexemplare und deren Ergänzung durch Neupflanzung schafft eine räumliche Abtrennung, ohne den Straßenraum vom Park abzuschotten. Ein neuer Fußweg auf der südlichen Straßenseite schafft ein großzügigeres Straßenbild und ermöglicht das bequeme Erreichen der Zugänge zum Signalgarten vom Bahnhofsvorplatz aus.

Beurteilung des Preisgerichts:

Die Arbeit überzeugt durch ihren sensiblen und behutsamen Umgang mit dem Ort. Mit minimalem Aufwand wird der Zugang zum Museum angeordnet, ein Rangierbereich für die Schmalspurbahn östlich der Güterhalle hergestellt und ein daran angrenzender Stadtpark entwickelt, der die Spuren der alten Bahnanlage sichtbar lässt und die vorhandene Vegetation ergänzt.
Es handelt sich um einen pragmatischen Vorschlag für die - auch abschnittsweise realisierbare - Gestaltung des Geländes, der charmant und respektvoll den Genius Loci thematisiert.